ramo de olivo

" H  A  U  S      A  B  E  N  D  F  R  I  E  D  E  N "

 

 

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Die verantwortungsvolle Auf-Gabe meines Bruders Guydo - Heimleiter von “Haus Abendfrieden” sowie der Wohninsel für Demenzkranke - kann mit Worten nicht genug gewürdigt werden! Das Wort “Leistung” wäre m.E. hier fehl am Platze, weil ich weiß ! , daß seine herzensgebildete Achtung und sein bedachtsam wahrnehmender Respekt den alten Menschen gegenüber von diesen - deutlich erkennbar - angenommen, und ebenso bemerkbar an ihn zurück geschenkt werden! Schließlich sind wir beiden ja in dem “Abendfrieden”-Haus am Waldesrand im Kreise der alten Mit-Bewohner aufgewachsen. -

Bei allen betrieblichen Belangen als Geschäftsführer, hat er als Mensch stets ein offenes, den alten Menschen ernstnehmendes Ohr, sowie ein persönlich-ermutigendes, ein-fühlend mit-empfindendes Wort für den Einzelnen, dies immer mit Anteil-nehmendem Blick auf dessen individuelle Eigentümlichkeit und prägende Vergangenheit.

Klar, daß ich - als seine Schwester - an dieser Stelle nur Anerkennendes schreibe. Schließlich wäre es ja unfair, “aus dem Nähkästlein” zu plaudern und den eigenen Bruder als jemanden zu beschreiben, der als Dreikäsehoch - beim Mittagessen - gern mal den großen Eßlöffel mit Spinat befüllte, um diesen dann Richtung Schwester zu zielen, was diese sich natürlich nicht tatenlos gefallen ließ, was unsere alten “Freunde” derweil um so mehr zum Schmunzeln brachte;-)

 

Daß “Haus Abendfrieden” ein Ort geblieben ist, in dem Würde im zugewandten Begegnen gelebt wird, ist ganz sicher auch der Gesinnung seines Heimleiters zu verdanken, der seine Auf-Gabe von Kindesbeinen an - in allen Bereichen mitanpackend - erfahrend “erlernt” hat. - DAS prägt!

 

Als Mit-Geprägte wünsche ich Dir - Guydo - auch weiterhin den Mut zum Trotzdem, verbunden mit dem Blick für´s Wesentliche und eingedenk jenes “Grundsteines”, den unsere Großeltern und Eltern “in” “Haus Abendfrieden” mit seinen uns anvertrauten Menschen gelegt haben - jenen alten Menschen, die Dich und mich von klein auf weit mehr als begleitet haben! Gemeinsam be-Weg-tes verbindet.

 

Deine Schwester

 

P.S. Und denk´ immer dran: “Der da Oben” hat bald 60 Jahre lang Seine Hand über “Haus Abendfrieden” gehalten. Ich bin gewiß: Er wird es auch weiterhin tun!

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Abendfrieden -> Dem Alter verpflichtet!

 

 

Deine Seele muß nicht hungern,

weinen sollst Du nicht allein.

Jemand wird bei Dir verweilen

und Dir ein Begleiter sein.

Das Vertrauen muß erst wachsen,

liebevoll in Wort und Blick.

Jeden Tag ein kleines Lächeln

ist wie lebensspendend´ Glück.

Deine Seele muß nicht dürsten,

sterben sollst Du nicht allein.

Eine Hand wird Dich begleiten

und Dir Weggefährte sein.

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Haus Abendfrieden liegt in der reizvollen Landschaft des waldigen Rothaargebirges. Der heimeigene hübsche Garten mit Fischteich und lauschiger Gartenlaube lädt zum Spazierengehen ein. Ein plätschernder Bach zur einen, ein Tannenwald, der an Hänsel und Gretel erinnert, zur anderen Seite des Hauses, verwandeln ein Stückchen Erde in eine idyllische Insel.

 

Die Küche - "Stolz" des Hauses -

hat für jeden Geschmack etwas zu bieten:

 

Siegerländer Reibekuchen,

Heringsstip und Suppentopf,

alle Eure Leibgerichte

hat der Küchenchef im Kopf.

Ob Diät, ob Schonkostküche,

Euer Wunsch ist seine Pflicht.

Sein Rezept- und Kochgeheimnis,

das verrät er aber nicht:-)

 

Danke Rainer, für die knusprig-köstlichen Pommes!

Grüß mir die Küchenfeen:-)

Das Bestreben des gesamten Mitarbeiterteams ist es, - unter Wahrung und Achtung der menschlichen Würde - dem alten Menschen durch fachgerechte, individuelle und umfassende Pflege und Betreuung, die das Fördern alltäglicher Aktivitäten, sowie eine Portion Phantasie miteinbezieht, Freude und Lebensmut zu geben. - - -

Aber auch ohne hier "Einzug" zu halten, lohnt sich eine Fahrt oder ein Spaziergang durch die herrliche, das Haus umgebende Natur allemal! Einfach mal vorbeischauen und selbst überzeugen.

 

Der Weg dorthin ist leicht zu finden:

 

Wenn Sie Hilchenbach gefunden,

fahren Sie geradeaus.

An der dritten Ampelleuchte

scheren Sie zur linken aus.

Vierzig Meter, dann zur Rechten

und dann immer weiter fort.

Bald schon sind Sie angekommen,

Helberhausen heißt der Ort.

Fünfzig Meter nach der Kirche

steht ein kleines Hinweisschild:

"Unterm Wäldchen" heißt die Straße.

Damit sind Sie schon im Bild.

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Ein Bild so alt

Kein Wort beschreibt ein Bild so alt,

in seinem Faltenkranz.

Nur wer mit Liebe es beschaut,

erkennt den wahren Glanz.

 

Es scheint so fern, das Bild so alt,

so unnahbar zugleich,

und doch, es ist an Güte mild,

an Wärme gar so reich.

 

Hier steh´ ich vor dem Bild so alt,

das fest und doch so zart.

Es ist mir unsagbar vertraut,

in steter Gegenwart.

 

Ja, es strahlt aus, das Bild so alt,

der Jugend Kraft und Mut,

nun von Besonnenheit beseelt

und stiller, tiefer Glut.

 

Wie kostbar ist das Bild so alt,

in meiner kleinen Welt;

viel wertvoller als jeder Schatz,

als alles Gold und Geld.

 

Es sieht mich an, das Bild so alt,

wie keines je zuvor,

berührt mein Herz mit sanfter Macht

und zieht´s zu sich empor.

 

Wie ist es schön, das Bild so alt,

wenn auch die Farben matt;

der Liebe über alles wert,

die es betrachtet hat.

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Angewiesen sein

 

Beim Essen brauchst Du Hilfe;

ich spüre Deine Traurigkeit.

Du schämst Dich Deiner Schwäche

und Deiner Unzulänglichkeit.

 

Das Anzieh´n macht Dir Mühe.

Es fehlt Dir oftmals jede Kraft.

Du willst es mir nicht zeigen

und hast Dich deshalb aufgerafft.

 

Du suchst nach vielen Dingen

und spürst den geistigen Verlust.

Es kränkt Dich, daß Du diesen

nicht selten eingestehen mußt.

 

Am schwersten ist das Waschen.

Du fühlst erniedrigt Dich und klein.

Es macht Dir sehr zu schaffen,

das stete Angewiesen-Sein.

 

Es schmerzt Dich ohnegleichen,

Du sträubst Dich gegen diesen Zwang,

der Hilfe zu bedürfen

beim täglichen Toilettengang.

 

Du siehst Dich als Belastung,

und mich zu brauchen quält Dich sehr.

Ein Ekel vor Dir selber,

er überkommt Dich mehr und mehr.

 

Wie soll ich Dir begegnen?

Zu schmälern liegt mir wirklich fern.

Es hilft Dir nicht zu wissen,

ich tue diese Arbeit gern.

 

Auch ich bin manchmal wehrlos

und weiß nicht damit Umzuge´n.

Wir können uns bestärken

in gegenseitigem Versteh´n.

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Tod, du treuer Gast

Ich klopfte an und trat herein;

ein Lied verhallte in der Luft,

und spürbar lag in ihr ein Hauch

des letzten Atemzuges Duft.

 

Novembersonne, matt und trüb,

verbreitete ihr schwaches Licht.

Ein stummer Strahl bedeckte scheu

Dein liebes blasses Angesicht.

 

Und rastlos suchend, ohne Halt,

ein blindes Tasten Deiner Hand.

Sie irrte hilflos durch den Raum,

bevor sie bald die meine fand.

 

In trauter, warmer Harmonie

vergingen zeitlos Stund um Stund.

Der Stille Lächeln beugte sich

verstehend über diesen Bund.

 

Da fühlte ich, der Tod war nah.

“Willkommen seist du, treuer Gast!

ich bitte dich, erlöse sie

von all der lebensschweren Last!”

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Bestattungsform "Baum"

Die Sehnsucht des Menschen, über den Tod hinaus weiter existieren zu wollen wird im Baum als Symbol der Hoffnung und des Lebens auch von Bestattungsunternehmen als Alternative zum Friedhof genutzt, wo die Asche nach der Kremation bei den Wurzeln des jeweils vorher ausgesuchten Baumes begraben wird. Dabei handelt es sich nicht nur um die Alternative zur normalen Friedhofsbestattung, sondern ist eine traurige Alternative zum lebendigen Glauben an den Gott der Liebe, der einmal die Toten auferwecken wird.

Nicht wo der Mensch begraben wird, spielt eine Rolle, sondern in welchem Glaubenszustand er sich befand, als er starb! Da kann jemand noch so voller Prunk beerdigt werden und trotzdem ewig verloren gehen. Es kann jemand in ein Massengrab geworfen worden sein und von dort in den Himmel eingehen. -

Mag ein Baum auch noch so alt sein, irgendwann verdirbt er doch.

Eine Hoffnung drauf zu setzen, durch ein wurzelnahes Loch,

welches letzten Endes doch nur gleichem Tode ist geweiht.

Wo die Seele toter Leiber nicht an solchem Ort gedeiht,

die im Augenblick des Todes den vergänglich´ Leib verläßt´.

Denn er ist ja nur die Hülle. Die Persönlichkeit legt fest,

wo der Mensch wird existieren, ob zunächst im Paradies,

dort erwartet Auferstehung, die zur Herrlichkeit begrüß´,

oder fährt ins Totenreiche, tief hinab und wartet dort,

auf die and´re Auferstehung, zum Gericht an dunklem Ort.

Wozu eine Baumbestattung, bleibt es doch ein Baum zum Tod.

Nur der eine Baum zum Leben, er errettet Mensch aus Not.

Dieser Lebensbaum im Glauben, nennt sich Kreuz von Golgatha.

Jeder darf zu diesem kommen, den er ist für ALLE da!

Jesus ist dort einst gestorben, und Er stand aus Toten auf.

Das ist wahre, echte Hoffnung auf den ew´gen Lebenslauf.

Jesus ist der Baum des Lebens. Dorthin bringe Deine Schuld.

Er wird sie zur Asche machen und vergräbt sie voller Huld.

 

frei nach Dan. 12, 2 „Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.“

Die ersten beiden Menschen sind schon einmal an einem Baum gescheitert, als Sünde und Tod Macht über sie bekamen und sie so das Paradies verloren. Doch Jesus siegte an einem Baum, dem Kreuz, und hat damit Tod und Sünde bezwungen und das Paradies zurück gebracht „der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“ aus 1 Petr. 2

Ergreift der Mensch diesen Baum des Lebens, dann überwindet er. „Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.“ aus Offb. 2

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Heilsame Perlen

 

Tränen sind in Deinen Augen,

und das Weinen fällt Dir schwer,

weil es viel zu lang verstummte,

denn es schämte sich so sehr.

Nun befreit es Deine Seele.

Jede Träne kennt die Last,

die Du tief in Deinem Innern

mit Dir rumgetragen hast.

Laß sie fließen, ohne Bangen;

sie erfüllen ihren Sinn.

Denn in jeder kleinen Perle

liegt ein Körnchen Heilung drin.

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Es reicht, Dich einzufühlen ...

Folgendes verstehst Du gut,

wenn Du alt geworden bist.

Darum sage ich Dir nun,

was mir wirklich wichtig ist:

 

Kommst Du in mein Zimmer ´rein.

klopfe vorher bitte an,

denn ich brauche das Gefühl,

daß ich mal privat sein kann.

 

Rede einfach ganz normal,

nicht als wäre ich ein Kind.

Deine Worte tun mir weh,

wenn sie ohne Achtung sind.

 

Unterhalten wir uns mal,

tu´ nicht so, als wär´ ich taub,

denn sonst könnte es gescheh´n,

daß ich selber daran glaub´.

 

Sprich nicht, wie manch Arzt es tut,

ständig in der Pluralform.

Diese Haltung ohne Takt

stinkt mir wirklich ganz enorm.

 

Wenn Du mitten in der Nacht

nach mir schaust, so dann und wann,

tritt doch leise in den Raum,

mach´ das Licht nicht immer an!

 

Meinen Namen kennst Du wohl.

Sprich mich damit bitte an.

“Oma” steht Dir gar nicht zu,

was ich auch nicht leiden kann.

 

Laß mich bitte ganz allein

machen, was ich machen kann.

Erst wenn´s gar nicht anders geht,

nehme ich die Hilfe an.

 

Wenn Du mir beim Anzieh´n hilfst,

frag´ mich, was ich tragen mag.

Denn es hebt mein Wertgefühl

und verschönert meinen Tag.

 

Nimm Dich meiner Bitten an!

Alles, was mir wichtig ist,

wirst Du ganz genau versteh´n,

wenn Du alt geworden bist.

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Wenn der Sand der Zeit verrinnt

 

Ängste kann ich Dir nicht nehmen,

selber bin ich hilflos nun.

Bleiben kann ich, schweigend wachen.

Leider kann ich mehr nicht tun.

 

Nicht verzweifeln, wenn das Ringen,

wenn das Zittern bald beginnt.

Es ertragen, stillehalten,

wenn der Sand der Zeit verrinnt.

 

So beginne ich zu achten

auf die Zeichen Deiner Hand.

Doch die Worte Deines Schweigens

sind mir manchmal unbekannt.

 

Bete leise in die Stille,

nehme an, was nun geschieht.

Einzigartig bleibt es immer,

wie ein Leben sich vollzieht.

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Schranken - nicht nur des Alters

 

Wenn ich manchmal einfach schimpfe,

dann bezieh´ es nicht auf Dich.

Sieh´ die Schranken meines Alter.

Laß mich bitte nicht im Stich.

 

Wenn ich ungerechterweise

kommandiere: “Hilf mir schon!”

dann beachte meine Schwäche,

und vergib mir diesen Ton.

 

Wenn ich nörgle oder klage,

sieh´ es nicht als Deine Schuld.

Meine Fähigkeit wird kleiner.

Bitte hab´ mit mir Geduld.

 

Eingeschränktheit macht mich zynisch.

Launisch macht das Hilflos-Sein.

Doch im Grunde, bitte glaub´ mir,

bin ich gar nicht so gemein.

 

Abzunehmen durch das Alter -

damit leben fällt mir schwer.

Deshalb brauch´ ich Dein Vertrauen,

Deine Nachsicht um so mehr.

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Abgrundtief

 

Sich hinein ins Dasein zu begeben,

tief in manchen Abgrund seh´n,

um die Traurigkeiten zu erleben,

prägt das seltene Versteh´n,

einen Menschen dorthin zu begleiten,

wo ein Trostwort nichts bewirkt;

mitzugehen in die Dunkelheiten,

wo sich Leid und Schmerz verbirgt;

ohne Mitleid dennoch mitzuleiden;

einen Teil des andern Last

willig tragen, keine Mühe meiden,

bis das wunde Mal verblaßt;

auf sich selber einmal zu verzichten,

schweigen, wo kein Wort genügt;

nach des andern Wesen sich zu richten,

zuzulassen, was sich fügt.

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Weise wie ein Kind

Sagt man nicht vom hohen Alter,

daß es weise sei und klug?

Wie es aussieht, wird doch hierzu

selten jemand alt genug.

 

Einen Weisen sah ich gehen.

Manchmal war er wie ein Kind;

ehrlich, staunend, schlicht und glaubend

- wie die Kinder eben sind -

 

wußte er die Zeit zu füllen

mit Gedanken und mit Spiel

mit Musik und Anteilnahme

und mit dem, was ihm gefiel.

 

Konnte lachen, konnte weinen,

sein Gefühl war immer echt.

Wählte Reden oder Schweigen,

gab dem Ander´n auch mal Recht.

 

Schenkte Freude, schenkte Liebe,

und man gab sie ihm zurück.

Freute sich an bunten Blumen

und genoß das stille Glück.

 

Lernte dankbar sich begnügen,

ließ sich helfen, ließ gescheh´n.

Hab´ noch niemand derart duldsam

und gelassen gehen seh´n.

 

Diesen Menschen nenn´ ich weise,

lebte vor, was mancher mißt.

Schade, daß er allzu frühe

von uns weggegangen ist.

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Wertgefühle be-achten

 

Die Kräfte sind geschwunden,

Gebrechen treten ein.

Sich deshalb aufzugeben,

das muß gewiß nicht sein.

 

Bist heute aufgestanden.

Das ist beachtenswert.

Hast Deinen bangen Zweifeln

den Rücken zugekehrt.

 

Das Waschen und Frisieren

gelingt Dir wirklich gut,

bestärkt Dein Selbstvertrauen,

und schenkt Dir neuen Mut.

 

Dies will ich aktivieren

und stützen, wo ich kann,

Dein Wertgefühl be-achten,

Dich loben dann und wann.

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Dein Damals

Erinnerst Dich an gestern,

an Kindheit, Krieg und Not;

erzählst von Deiner Arbeit,

dem schwer verdienten Brot.

Was eben erst geschehen,

entfällt Dir meistens bald.

Du mußt es Dir nicht merken;

Du bist ja schließlich alt.

Nur laß Dich nicht beirren,

sobald Du ´was vergißt.

Du lebst in Deinem Damals,

das unersetzlich ist.

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Geduld

 

Ich wünsche, ich hätte noch mehr Geduld

zu tragen, was langsam sich fügt;

Dir Zeit zu gewähren, soviel Du brauchst,

soviel Dir zum Denken genügt.

Dich reden zu lassen in Deinem Takt,

geduldig und schweigsam zugleich;

zu hören, was immer Du sagen willst

aus Deinem Gedankenbereich.

Das Sprunghafte, Eilige liegt Dir nicht.

Die Jahre, sie lassen´s nicht zu.

Ich wünsche, ich hätte noch mehr Geduld

und ließ Dir die nötige Ruh´.

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Aufenthaltsraum

Manche alten Augen blicken

stumm den ganzen Tag; wohin?

Was nur könnte sie beglücken?

Welche Bitte liegt darin?

 

“Bleibe doch für eine Weile.

Lächle uns nur einmal an.

Sei nicht immer so in Eile,

daß man kaum Dich grüßen kann.”

 

In Gedanken bleib´ ich stehen,

schau´ hinein in jeden Blick.

Wie ein zaghaft leises Flehen

hält mich etwas noch zurück.

 

Heute bleib´ ich eine Weile.

Auch ein Lächeln fällt mir leicht.

Heute bin ich ohne Eile.

Ein Moment hat ausgereicht.

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Alt und schön

 

Schau in die Augen, vom Alter getrübt;

vieles ist darin zu sehn.

Sieh, wie sie lächeln und was sie Dir sagen.

Sieh, wie sie trauern und was sie Dich fragen.

Augen, die alt sind, sind schön.

 

Schau auf die Hände, vom Alter geprägt;

vieles ist daran zu sehn.

Sieh, wie sie tasten und was sie erkunden.

Sieh ihre Stärken und auch ihre Wunden.

Hände, die alt sind, sind schön.

 

Doch was Erfahrung ein Leben lang lehrt,

kann man von außen nicht sehn.

Wer sich beständig um Wachstum bemüht,

inneren Pflichten des Alters genügt,

weiß, daß sein Altsein ist schön.

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Bleib´ bei mir

Kommt die Zeit, da das Dunkel erwacht,

quält die endlos erscheinende Nacht,

gib mir tröstend und still zu versteh´n:

Du wirst bleiben und nicht wieder geh´n.

 

Laß mir leuchten ein wärmendes Licht,

das die wirren Gedanken durchbricht.

Sing ein Lied, wenn die Angst mich bedroht.

Laß es ringen durch all meine Not.

 

Nimm die kalte und zitternde Hand,

daß die tastende Qual sei gebannt.

Halt sie fest, bis der Schlaf mich berührt

und auf grünende Auen entführt.

 

Sag ein Wort, das mir lindert den Schmerz;

es erreicht das verstummende Herz.

Schläft die Seele ermattet mir ein,

laß mich spüren, ich bin nicht allein.

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Handschuh gegen Nähe

 

Mit Deinen Händen

berührst Du mich,

und manchmal scheint mir,

Du ekelst Dich.

 

So nimmst Du Handschuh

zu jeder Zeit,

bei jeder kleinen

Gelegenheit.

 

Doch eine Falten

und meine Haut,

sie sind mit Latex

noch nicht vertraut.

 

Es macht mich traurig,

Dir zuzuseh´n,

ich kann Dein Handeln

nicht ganz versteh´n:

 

Ich bin nicht schmutzig

und auch nicht wund;

ich bin gewaschen

und ganz gesund.

 

Siehst nicht den Menschen,

der ich doch bin;

empfandest Ekel

von Anbeginn.

 

Es ist mein Alter,

verwelkte Haut,

mein Äußerliches,

vor dem Dir graut.

 

Maschinen liegen

Dir sicher mehr,

denn echte Nähe

erträgst Du schwer.

 

Ich glaube sicher

und unverhehlt,

Du hast Dein Handwerk

total verfehlt.

 

Schließ Dich nicht ein

Sicher ist die Entbehrung Dir feind.

Sicher hast Du die Schmerzen verneint.

Sicher schmähst Du die Krankheit und Pein.

Sicher siehst Du den Kummer nicht ein.

 

Denn Gewohntes ist plötzlich gestört.

Und Bekanntes ist plötzlich verkehrt.

Aus der Spannung wird nagendes Leid.

Etwas Lähmendes raubt Dir die Zeit.

 

Bitte schließe Dich selber nicht ein.

Eine Mauer, sie muß doch nicht sein.

Wo Du Wunden verbietest zu sein,

traut die Hoffnung sich selten herein.

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Wintersonnenstrahlen

 

Warme Wintersonnenstrahlen

streifen leise Dein Gemüt.

Sanft berühren sie die Seele

wie ein altvertrautes Lied.

 

Denn im Winter, kalt und eisig,

greift die Einsamkeit ans Herz,

und ein kleiner Strahl der Sonne

lindert manchmal schon den Schmerz.

 

Wenn im Winter, trüb und dunkel,

ein Gedanke traurig winkt,

wirkt ein Sonnenstrahl beruhigend,

weil er Licht und Hoffnung bringt.

 

Auch im Winter scheint die Sonne.

Laß die Strahlen nur herein.

Liebe Worte können Deine

Wintersonnenstrahlen sein.

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Windel oder Würde

Ein paar Tropfen sind normal,

doch Du läßt mir keine Wahl.

Willst mich einfach nicht versteh´n.

Kann noch selber pinkeln geh´n.

 

Windeln sind nicht angenehm,

viel zu dick und unbequem.

Hab´ sie gar nicht gerne an,

nicht, solang ich laufen kann.

 

Hilf mir lieber aufzusteh´n,

zur Toilette hinzugeh´n,

und dann siehst Du selber ein:

Eine Windel muß nicht sein.

 

Meine Würde geht dahin,

wenn Du ohne jeden Sinn

mich beschämst und mich bedrängst,

mich in eine Windel zwängst.

 

Lauf´ mal einen Tag herum;

leg´ Dir eine Windel um;

und dann siehst Du selber klar,

daß sie überflüssig war.

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Altbaustüblein im "Abendfrieden"

 

In diesem so alten Gemäuer

die Jahre, sie zogen ins Land;

und viele, die kamen und gingen,

sie sind mir bis heute bekannt.

So manches Mal seh´ ich ein Stüblein,

das traulich und still mir erscheint;

ich frag´ mich, wer einst hier gesessen

und heimliche Tränen geweint.

Vergangene Zeiten und Welten

erwachen in bunter Gestalt,

erzählen bewegende Märchen,

von Menschen, die hier wurden alt,

berichten von Freude und Trauer,

von atmendem Leben und Tod,

von friedlichen, frohen Momenten

und einsamen Stunden der Not.

Wieviel´ auch der Seelen gegangen,

ein Hauch von Erinnerung weht

noch immer und zeigt, daß doch niemand

vergessen und spurenlos geht.

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Vorletzter Wille

Wenn Du mich ein wenig achtest,

höre meine Bitte an.

Sie betrifft mein banges Hoffen,

daß ich friedlich sterben kann.

 

All die Schläuche, Apparate

halte bitte von mir fern,

wenn die Kräfte meines Geistes

gar nicht mehr zu mir gehör´n.

 

Wenn nach menschlichem Ermessen

baldig´ Tod mir ist bestimmt,

soll die Technik nicht verlängern,

was mir alle Würde nimmt.

 

Nur die Schmerzen sollst Du lindern;

diesen Wunsch gewähre mir.

Klaren Geistes schreib ich nieder

meinen letzten Willen hier.

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Urlaub im “Abendfrieden”

 

Von zuhause soll ich fort.

Komme schnell an einen Ort,

wo ein Zimmer mir genügt,

wo mein Wille wird besiegt.

Sitze traurig vor mich hin.

Hat mein Lebensrest noch Sinn?

Höre oft das Wort “verwirrt.

Hab´ ich mich im Tag geirrt?

Einsam denke ich zurück

an so manchen lieben Blick.

Seh´ den schwarzen Wagen steh´n;

wieder mußte einer geh´n.

All das raubt mir den Verstand.

Niemand reicht mir seine Hand.

 

Ähnlich, denkt man allgemein,

muß ein Altenheim wohl sein.

 

“Abendfrieden” will beweisen,

daß es fährt auf andern Gleisen.

Eines schicken wir voraus:

Ganz vollkommen ist kein Haus.

Herzlich laden wir Dich ein,

unser Urlaubsgast zu sein.

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Gebißfreundlich

Wenn die letzten Zähne schwinden,

gilt es, ein Gebiß zu finden,

um gewohnte Tätigkeiten

zahngemessen zu bestreiten.

Kaugummi und harte Nüsse

sind die Feinde der Gebisse;

alles andere indessen

kann man unbeschadet essen.

Niesen, Gähnen oder Lachen

können oft Probleme machen,

denn der Kiefer ist betroffen,

und der Mund steht meistens offen.

Meiden soll man viel Geplapper,

sonst riskiert man viel Geklapper.

Eines kann man unbefangen,

Zweifler brauchen nicht zu bangen;

ungehindert, ungebissen

läßt sich unvermindert küssen.

So gesehen, zugegeben,

läßt sich auch gebißlich leben.

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Erinnerung malen

Dement und fremd -

von sich entfernt.

Er hat gemalt, -

es längst verlernt.

Er sucht die Spur,

erinnert nicht

den Lebensweg.

Er sieht kein Licht.

Er sucht Daheim

nach unbekannt.

Und bleibt allein

im Niemandsland.

 

Gefühl ist da;

es braucht Verstehn,

um jenes Kind

von einst zu sehn.

Es freute sich

an Farben bunt.

Es malte oft,

es tat sich kund

papiergebannt,

was nicht vergeht.

Es bleibt ein Teil,

das Mensch versteht.

Ein Bild, ein Wort,

ein Lied, ein Hauch.

Ein „kleiner“ Sinn,

den jeder braucht.

 

Drum führ´ die Hand,

die längst vergaß,

ins Kinderland,

das Mensch besaß.

Und schenk´ ihm Spur

in seine Welt,

die so nicht ganz

in sich zerfällt.

Es nährt den Mut,

das Wertgefühl.

Im Malen liegt

ein „kleines“ Ziel.

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